Aufnahmetipps:
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Film-Regie:
Optische Dynamik

 

 
 

 

TIPP 1 ist der wichtigste!

Halten Sie die Kamera ruhig!


Nicht die Kamera soll sich bewegen, sondern das Objekt. Nutzen Sie darum jede Möglichkeit für einen ruhigen Kamerahalt zu sorgen. Lehnen Sie sich irgendwo an oder stützen Sie sich auf, vor allem, wenn Sie mit längeren Objektivbrennweiten filmen. Bei Objektiv-Brennweiten von über 20 mm sollte grundsätzlich nur vom Stativ aus gefilmt werden. Hier macht sich sonst die Unruhe der Hand (Herzschlag, Atmen) wegen der stark vergrößerten Abbildung später bei der Projektion bemerkbar, und das Bild erscheint mehr oder weniger verzittert. Selbst das beste Objektiv kann dann keine Schärfe mehr in Ihren Film zaubern. 
 


TIPP 2 Schwenken Sie immer nur in einer Richtung.


Also entweder horizontal oder vertikal schwenken, aber nie vertikal, dann ein Stück horizontal und vielleicht dann noch ein Stück schräg nach unten (es sei denn, Sie wollen später die Besucher Ihres Filmes seekrank werden lassen). Schwenken Sie auch nie ruckartig oder vorwärts und rückwärts hintereinander. Am besten, Sie vermeiden es überhaupt, einen Schwenk aus freier Hand zu machen. Es ist nämlich kaum möglich, die Kamera wirklich horizontal zu führen. Fast immer entsteht dabei eine wellenförmige Bewegung. Das wirkt später in der Projektion sehr unangenehm. 
 
 

TIPP 3 Schwenken Sie langsam.


Wenn Sie glauben, zu langsam zu schwenken, wird es wahrscheinlich gerade richtig sein. Als Maßstab kann gelten, dass ein horizontaler Schwenk über einen Winkel von 90 Grad etwa 15 Sekunden dauern soll, wenn die Objektivbrennweite nicht länger als 15 mm ist. Bei längerer Brennweite muss auch der Schwenk länger dauern. 
Und noch etwas: Lassen Sie den Schwenk immer aus einer Ruhestellung heraus beginnen, in der das Bild etwa 2 Sekunden steht, und entsprechend wieder in Ruhestellung enden. 
 
 

TIPP 4 Halten Sie die Kamera waagrecht!


Tun Sie das nicht, werden im Projektionsbild Menschen und Häuser schräg stehen wie der schiefe Turm von Pisa, nur mit dem Unterschied, dass der Boden auch schräg liegt. Selbstverständlich können Sie aber nach oben oder nach unten filmen, je nachdem, welchen Standort Sie haben. Nur muss die Grundlinie des Bildfeldes auch dann immer horizontal bleiben. Durch Veränderung des Bildpunktes bringen Sie Abwechslung in einen Film. Ein guter Film lebt nun einmal davon, dass das Motiv unter verschiedener Sicht gefilmt wird, um es "plastisch" erscheinen zu lassen. 
 
 

TIPP 5 Standort wechseln!


Kleben Sie nicht am Platze, sondern überlegen Sie immer, von welchem Blickwinkel aus die Szene am wirkungsvollsten aufgenommen werden könnte. Steigen Sie auf einen Stuhl, oder nehmen Sie einen anderen erhöhten Standort ein, um aus der Vogelperspektive zu filmen. Umgekehrt können Sie sich auch auf den Boden legen und sehen, wie das Ganze aus der Froschperspektive wirkt. Den eigenen Standort zu wechseln ist also beim Filmen durchaus erlaubt und sogar notwendig! 
 
 

TIPP 6 Fixfocus - Schnellschusseinstellung!



Schnelle Filmbereitschaft wünscht sich der Anfänger genau so wie der versierte Amateur und Profi. Sie wird ermöglicht durch die Fixfocus-Einstellung des Objektives. Wählen Sie dazu eine Objektiv- Brennweite, die nicht zu lang und nicht zu kurz ist, die gleichzeitig eine große Schärfentiefe bietet und zudem verwacklungsfreie Aufnahmen aus der freien Hand ermöglicht. Für die meisten Szenen entspricht die Brennweite 10mm am besten dieser wichtigen Forderung. 
Stellen Sie also das Vario-Objektiv auf 10mm Brennweite und die Entfernung auf "unendlich". Damit reicht die Schärfentiefe schon bei mittleren Blenden von "unendlich" bis 1m Objektabstand. Sie brauchen also nur unter 1m zusätzlich scharf einzustellen. Wenn Sie dagegen mit langer Brennweite filmen, muss die Schärfe immer exakt auf das Hauptmotiv eingestellt werden. Die richtige, Ihrem Auge entsprechende Okulareinstellung ist dafür unerlässlich. Befolgen Sie hier genau die Anweisungen Ihrer Anleitung. Das ist wichtig! 
 


Schärfentiefe auf einen Blick
(Blendenöffnung = Schärfentiefe in Meter)
Bei 15mm Brennweite auf 4m eingestellt:
5,6 = 1,41 bis Unendlich
8    = 1,11 bis Unendlich
11  = 0,88 bis Unendlich
16  = 0,66 bis Unendlich
Bei 9mm Brennweite auf 4m eingestellt:
5,6 = 0,72 bis Unendlich
8    = 0,55 bis Unendlich
11  = 0,44 bis Unendlich
16  = 0,34 bis Unendlich

TIPP 7 Totale, Halbtotale und Großaufnahme!

Filmen Sie zunächst eine Übersicht (Totale) zur Orientierung. Gehen Sie dann näher heran; führen Sie so den Betrachter durch eine Halbtotale weiter in die Szene, um schließlich in Großaufnahme zu zeigen, was im einzelnen vor sich geht. Dabei ist es wichtig, den Tipp Nr. 5 nicht zu vergessen, also den Standort wechseln und aus verschiedenen Richtungen zu filmen. Man nennt das Schuss und Gegenschuss. 

Sie brauchen übrigens für die Halbtotale und für die Großaufnahme nicht unbedingt näher heranzugehen. Sie können den Effekt auch durch entsprechendes Verstellen des Varioobjektivs oder durch Objektivwechsel erreichen. Gehen Sie näher heran, wird die Perspektive anders. Filmen Sie aus derselben Entfernung mit längerer Brennweite, so erhalten Sie die Halbtotale oder Großaufnahme als Ausschnitt aus dem Ganzen, aber mit derselben Perspektive wie vorher in der Übersicht. Das muss man versucht haben, um den Unterschied zu erkennen.  Merke: Brennweitenbrücke ausnutzen! Jede Szene, ganz gleich ob Übersicht oder Großaufnahme, formatfüllend erfassen!
 


TIPP 8 Filmlogik! 


Wenn es auch im Anfang nicht gleich Ihr Ehrgeiz sein dürfte, wettbewerbsreife Spielfilme zu produzieren, so sollten Sie doch versuchen, den Zuschauer logisch von einer Szene zur anderen zu führen. Was gemeint ist, kann ein einfaches Beispiel veranschaulichen: Fällt zum Beispiel ein Blumentopf von der Fensterbank, dann muss die nächste Szene die Folge zeigen, also wer wurde getroffen. 
 


TIPP 9 Maßhalten in der Szenenlänge


Der erfahrene Filmer wird die Länge der einzelnen Szenen nicht über 4-5 Sekunden ausdehnen. Faustregel für den Anfänger: FilmbetrachterIn Gedanken bis 5 zählen und aufhören! Lange Szenen wirken meist langweilig, und außerdem ist der Film schnell verbraucht. Übersichtsaufnahmen mit vielen Details sollen länger stehen als Großaufnahmen, damit der Zuschauer auch alle Einzelheiten im Bild aufnehmen kann. Großaufgefasste Motive dagegen, zum Beispiel Nahaufnahmen von Blumen, werden meist schon in 2 - 3 Sekunden voll verstanden. Eine Handlung darf aber auch nicht vorzeitig abbrechen. Sie wird sonst für den Zuschauer unverständlich, und der Film wirkt bruchstückhaft. Also an Tipp Nr. 8 denken (Filmlogik), und die einzelnen Szenen kurz halten. 

Aber auch hier gibt es wieder Ausnahmen. Das ist der Fall, wenn ein Vorgang von Natur aus länger dauert und Sie ihn von Anfang bis Ende filmen wollen. Beispielsweise ein Eispaarlauf, den Sie in der Harmonie der Bewegung über mehrere Figuren hinweg verfolgen wollen. 
TIPP 10 Das Vario-Objektiv sinnvoll ausnutzen!

Durchfahren Sie den ganzen Bereich von der kurzen bis zur langen Brennweite, so ergibt sich für den Beschauer ein Pseudo-Fahreffekt, d.h. der Abstand zwischen Kamera und aufgenommener Szene wird scheinbar verringert. (Bei einem richtigen Fahreffekt bewegt sich die Kamera wirklich auf die Szene zu, wobei sich die Perspektive, also der Blickwinkel, kontinuierlich verändert.) Bei Fahraufnahmen mit dem Varioobjektiv stellen Sie zunächst mit der größten Brennweite scharf. Dann stellen Sie das Objektiv auf die Brennweite ein, bei der Sie die Übersicht über die ganze Szene haben, und vergrößern nun während des Filmens langsam und stetig die Brennweite, bis das bildwichtige Objekt als Großaufnahme herangeholt ist. 

Mit der Verwendung dieses Fahreffektes - so verlockend er ist - soll man aber sparsam umgehen, so wie man ein Gericht "fein" würzt. Ein Zuviel kann alles verderben! 
 


TIPP 11 Handverstellung der Belichtungsautomatik


Es gibt Filmsituationen, wo es erforderlich ist, die Belichtungsautomatik zu beeinflussen. Bei Gegenlichtaufnahmen erscheinen Personen oder Objekte als Silhouette, wenn die Schatten nicht aufgehellt werden. Um unter solchen Umständen auch im Schatten noch Details erkennen zu können, öffnen Sie die Blende um eine ganze Stufe von Hand. Zum Beispiel: statt der automatisch gemessenen Blende 16 nehmen Sie Blende 11. Genauso verfahren Sie auch bei Personenaufnahmen vor großen Schneeflächen. 

 


 
Optische Dynamik.

Gemeint ist damit die Gestaltung des Bildes, das mit der Kamera eingefangen wird. Es ist wichtig in Bildern zu denken, die Wirkung und die Aussage eines Bildes bewusst zu gestalten. Allerdings hat ein Film mehr Dimensionen als ein Foto. 

1a. Bildtiefe: Wie bringt man Tiefe in ein zweidimensionales Bild? Wie kann man verhindern, dass eine Szene flach, langweilig und undynamisch wirkt wie im Bild nebenan?
1b. Bildtiefe: Eine bewährte Gestaltung, die einem Bild Tiefe gibt: Auch im Vordergrund ist etwas zu sehen. Der Zuschauer kann die räumliche Tiefe wahrnehmen. Er hat das Gefühl, gleichsam ins Bild hineingehen zu können. 

2a. Gewichtung durch Nahaufnahme: Wer spielt z.B. auf diesem Bild die Hauptrolle - der Eisverkäufer im Vordergrund links oder die Frau mit dem Stofftier?
2b. Die naheliegendste Gestaltungsmöglichkeit: Sie zeigen das Wichtigste ganz nah, bildfüllend.
...wird fortgesetzt!